Jacob Nomus - Geschichten aus dem dritten Jahrtausend


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Erinnerungen

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Memoriae - Erinnerungen (2010)

Prolog


Sie musste langsam bis zwanzig zählen.
Bis zwei hörte sie ihren Bruder lachend weglaufen.
Bei acht hörte sie ein lautes Knacken in weiter Entfernung.
Bis vierzehn vernahm sie noch Geräusche. Danach war es still.
Sie lächelte. Er hatte ein Versteck gefunden und sie ahnte, wo es war. Ohne Eile zählte sie laut zu Ende. Bei zwanzig drehte sie sich blitzschnell um und lief lautlos spähend durch den Garten.
Die Stimme der Mutter erschallte. Das Essen war fertig. Dieses war das letzte Spiel. Sie würde es nicht verlieren. Um keinen Preis.
Fünf Minuten später zerriss ein gellender Schrei die Stille.

-( )-


So beginnt der Köln-Thriller 'Erinnerungen'. Stück für Stück setzt sich vor den Augen des Lesers das dramatische Puzzle zusammen, das im Prolog nur angedeutet wird. Er wird wissen, wer
sie ist, was sie gehört hat, wer geschrien hat und warum. Er wird das gesamte Ausmaß dieser einen Szene erkennen, eines kurzen Moments im Leben eines Menschen, der eine verhängnisvolle Gedächtnislücke erzeugt.

30 Jahre später. - Susanne ist eine attraktive Malerin, die von ihrem Mann, dem Psychoanalytiker Dr. Achim Bergmann, seit einem Jahr getrennt lebt. Die kurze Liaison mit dem sechs Jahre jüngeren Musiker Alexandre endet abrupt; er verschwindet spurlos.
Einen Monat später, es ist Weihnachten, besucht Susanne eine Buchhandlung am Neumarkt und macht eine grauenvolle Entdeckung: In der Hand hält sie ein Buch, auf dessen Umschlag Alexandre zu sehen ist. Tot. Die Autorin: sie selbst.
Susanne leidet seit ihrem achten Lebensjahr an dissoziativer Amnesie, eine nicht abklingen wollende Gedächtnislücke. Sie erinnert sich auch jetzt an nichts. Kein Mord. Kein Buch. Kann sie ihrer Erinnerung trauen? Zusammen mit ihrer besten Freundin Julia beginnt sie, mit Hilfe des Buches und der Realität die fehlenden Momente ihres Lebens zu rekonstruieren.


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